Wasserstoff - Champagner oder Apfelschorle?

Für die Einen ist der klimaneutrale Wasserstoff der Champagner der Energieträger, für die Anderen ist er so günstig und weit verbreitet wie Mineralwasser. Fest steht: die Herstellung ist aufwändig und braucht viel grünen Strom.

Der Wasserstoff kann nicht nur weiterverarbeitet zu E-Fuels Autos antreiben. Er kann auch gasförmig in Autos getankt werden, die eine Brennstoffzelle besitzen. Unten sehen sie den Wirkungsgrad der verschiedenen Antriebsarten im Vergleich zur batteriebasierten Elektromobilität.

Brennstoffzellenautos sind noch sehr teuer. Nur Toyota, Honda und Hyundai bieten Modelle an, die etwa 70.000 Euro kosten. Der Vorteil: eine Reichweite von etwa 600 Kilogramm, potenziell kurze Tankvorgänge (3-4 Minuten). Nachteil: Tankstellen gibt es kaum welche und die müssen vor den Tankvorgängen Druck aufbauen: 350 bar (z.B. für Busse) oder 700 bar (für Pkw). Deshalb haben sich in anderen Ländern auch vor Wasserstoff-Tankstellen schon Schlangen gebildet.
Es gibt heute etwa 100 Wasserstofftankstellen in Deutschland. Die Mehrzahl der Stationen an denen heute Wasserstoffautos tanken können, sind sogenannte small Stationen mit einem Dispenser, 200 kg druckförmigen Wasserstoff. Die Kosten liegen hier bei ca. 1,2 Mio. Euro/Station. Aus europäischen oder bundesdeutschen Förderprogrammen gibt es ca. 50% Zuschüsse für den Tankstellenbau. An einer small Station können 40-50 H2-Pkw/Tag tanken. Die Betankungsmenge pro Pkw liegt bei ca. 3-5 kg.

Das zweite Problem: derzeit ist es noch eine große Herausforderung, überall in Deutschland ausreichend grünen Wasserstoff zu beziehen und damit eine ausfallsichere Versorgung darzustellen, schreibt der größte Anbieter, H2 Mobility, auf Anfrage. Der Grund dafür sind v.a. erhebliche Abgaben und Entgelte für die regenerative Produktion von Wasserstoff. Insgesamt liegt der Anteil grünen Wasserstoffs im Netzdurchschnitt derzeit bei 28%. Dieser kommt aus Elektrolyse von Wasser und aus Biomethan und Biomethanol und ist TÜV grün zertifiziert. 30% des von H2 MOBILITY angebotenen H2 sind das Nebenprodukt aus der chemischen Industrie, der sonst ungenutzt bliebe. Die verbleibenden 42% werden aber noch aus Erdgas gewonnen. Und auch wenn Wasserstoff aus Erdgas ca. 1/3 CO2 Emissionen im Vergleich zu herkömmlichen Kraftstoffen einspart, bleibt das Ziel: Grüner Wasserstoff am besten mit Elektrolyse aus erneuerbaren Energien.

In Deutschland sind bislang nur etwa 400 Brennstoffzellen-PKW auf den Straßen zu finden. Ob sich das ändert? Die Brennstoffzellen brauchen Platin als Katalysator und sind auch deshalb teuer.

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